Wenn Big Tech Journalismus inszeniert
Die neuen Medienstrategien der großen Tech-Konzerne nehmen Formen an, die selbst erfahrene Beobachter ins Grübeln bringen. Journalismus-Washing scheint das neue Schlagwort zu sein.
In einer Zeit, in der die großen Tech-Unternehmen ihre Schlagkraft im Mediensektor nicht mehr leugnen können, werden die Strategien zunehmend raffinierter. Menschen, die in der Medienbranche tätig sind, beschreiben ein Phänomen, das mittlerweile als "Journalismus-Washing" bekannt ist. Die Idee dahinter lässt sich einfach skizzieren: Wo einst ehrliche Berichterstattung und integrativer Journalismus standen, gibt es heute oft nur noch eine Inszenierung von journalistischen Werten, die in Wirklichkeit mehr Marketing als echter Journalismus sind.
Mit dem Eintritt von Big Tech in den Medienraum – denken wir an Unternehmen wie Google, Facebook und Apple – hat sich das Bild der Nachrichtenlandschaft gewandelt. Während sich einige dieser Firmen als Unterstützer des Journalismus präsentieren, argumentieren Experten, dass dies häufig nur ein Deckmantel ist. Sie scheint es ihnen mehr um das eigene Image zu gehen, als um die Förderung von ehrlicher und kritischer Berichterstattung. Das Wort "Washing" deutet hierbei auf eine Art von Verfälschung hin, die nichts anderes als ein cleveres PR-Manöver darstellt.
Beobachter berichten, dass diese Unternehmen in ihren Bemühungen, journalistische Standards zu etablieren, oft den Eindruck vermitteln, sie seien die Retter des Journalismus. Es wird ein Narrativ geschaffen, das suggeriert, dass der traditionelle Journalismus in der digitalen Ära nicht mehr überlebensfähig ist, es sei denn, er schließt sich den großen Tech-Konzernen an. Im Grunde handelt es sich um eine subtile Umkehrung der Tatsachen: Statt dass Technologie den Journalismus bereichert, wird er zunehmend instrumentalisierter Bestandteil eines größeren kommerziellen Interesses.
Im Gespräch mit Fachleuten wird oft das Beispiel von sozialen Medien angeführt. Diese Plattformen bieten zunehmend eigene Nachrichtenformate und Inhalte an, die zwar journalistisch anmuten, aber sehr häufig nicht den kritischen Standards des professionellen Journalismus entsprechen. Bei solchen Inhalten stellt sich die Frage: Wer entscheidet, was als Nachrichtenwert zählt? Der Algorithmus oder die Redakteure? Nutzer sind oft kaum in der Lage, die Grenze zwischen echtem Journalismus und PR-gestütztem Inhalt zu erkennen. Um mit den hohen Erwartungen und neuen Standards Schritt zu halten, haben einige Medienhäuser sogar interne Leitlinien entwickelt. Das häufigste Ergebnis? Ein aufgeblasenes Angebot an Inhalten, das die Grundsätze des Journalismus verwässert.
Doch nicht nur die Inhalte selbst sind problematisch. Auch die Monetarisierung ist ein heiß diskutiertes Thema. Journalisten, die die letzten Reste unabhängiger Berichterstattung aufrechterhalten wollen, sehen sich oft gezwungen, sich an die Spielregeln der Tech-Giganten anzupassen. Was als journalistische Integrität beginnen könnte, wird schnell zum Spielball der Werbeinteressen. In einem solchen Umfeld wird es zunehmend schwieriger, das Publikum zu gewinnen, das an ehrlicher Berichterstattung interessiert ist. Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, bemerken, dass die nachrichtlichen Inhalte selbst in der Zeit der Werteverschiebung auf eine Art und Weise gestaltet sind, die mehr dem Umsatz als der Unabhängigkeit dient.
Das Dilemma ist offensichtlich: Wo früher ein Journalist noch die Freiheit hatte, kritisch zu berichten und abweichende Meinungen zu vertreten, wird die Stimme nun schnell durch die Zensur von Algorithmen oder kommerziellen Interessen verstummt. Die ironische Wendung ist, dass die Tech-Unternehmen, die sich als Förderer des Journalismus gerieren, oft die größten Barrieren aufbauen, die dieser over-überlebensfähig machen. Journalismus-Washing wird somit nicht nur als Begriff verwendet, sondern als tägliche Realität in unserem Umgang mit Nachrichten.
Das Publikum, so wird gesagt, hat ein feines Gespür dafür entwickelt, was authentische Nachrichten sind. Es bleibt abzuwarten, ob sich die große Tech-Welle auf lange Sicht in einer Weise stabilisieren wird, die dem Journalismus nicht nur als Konzept, sondern auch als ethischem Wertekomplex gerecht wird. Und während die Fragestellungen über die Rolle der Medien in einer zunehmend digitalisierten Welt fortbestehen, können wir nur hoffen, dass die Grenze zwischen echter Berichterstattung und der Inszenierung von Journalismus nicht weiter verwischt wird.